Über unser Dorf

Eckelshausen liegt im Tal der Lahn 3 km südlich von Biedenkopf und ist seit 1971 ein Stadtteil der ehemaligen Kreisstadt im Kreis Marburg- Biedenkopf. Wer auf der B 62 fährt oder, von Gladenbach kommend, die B 453 benutzt, erblickt die auf einem Felsvorsprung gelegene mittelalterliche Kirche mir ihrem wehrhaften Turm, der sich im Sommer unter den sechs über 100 Jahre alten Linden versteckt. Rings um die Kirche breitet sich der von einer Bruchsteinmauer umgebene rechteckige Kirchhof aus, der bis 1850 auch den Filialdörfern Kombach, Wolfgruben und Katzenbach als Begräbnisstätte diente.

Unweit der Kirche liegt der 300 Jahre alte Schartenhof mit dem eindrucksvollen Kratzputz, von der Besitzerin 1971 fachkundig renoviert. Kirche und Schartenhof sind ein Blickfang des Dorfes, um den sich der alte Ortskern schart.

1320 wird der Ort zum ersten Mal mit dem Namen Eckoldishusin urkundlich erwähnt. Vermutlich ist das Dorf älter, auch wenn keine Urkunden darüber vorliegen. 1365 wird ein Priester genannt. Der bekannteste Pfarrer des Mittelalters war der von 1454 - 1464 in Eckelshausen als Seelsorger tätige Johannes Bonemilch. Er wechselte nach 1464 zur Universität Erfurt, wurde Professor und später Domherr, Weihbischof, Generalvikar und Stellvertreter des Erzbischofs von Mainz. Am Sonntag Cantate 1507 weihte er den Augustinermönch Martin Luther zum Priester.

1527 hielt zum ersten Mal ein Pfarrer evangelischen Gottesdienst in der Kirche. Das Gotteshaus wurde zu einer Predigtkirche umgebaut und das Kirchenschiff 1700 erweitert mit einer handwerklich hervorragenden Dachkonstruktion.

Am Fuße des Felsens liegt der sogenannte Adelige Hof, der 1587 im Besitz der Herren von Hohenfels war. Als mit Ludwig von Hohenfels der letzte männliche Sproß des Ludwigstammes starb, wechselten häufig die Besitzer. Am Ende des 30jährigen Krieges soll er in Mitleidenschaft gezogen worden sein, doch wurde er später kleiner wieder aufgebaut. Ob von dem Hof zur Kirche ein unterirdischer Gang führt, wie die älteren Einwohner noch heute erzählen, vermag niemand zu bestätigen.

Auf dem Kirchhof stand das Ehrenmal , das die Gemeinde 1921 für die Gefallenen des ersten Weltkriegs errichtete. 1956 wurde es in die Gedenkstätte für die Toten des zweiten Weltkriegs am Fuße des weithin sichtbaren "Warteköppels" in der Nähe des Friedhofs integriert.

Eingebettet in Wiesen- und Ackerland dehnen sich zu beiden Seiten des Lahntales die Buchen- und Nadelwälder und laden zu stundenlangen Spaziergängen ein. Vor 250 Jahren, als Eckelshausen noch zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gehörte, weilten die Landesfürsten aus der fernen Hauptstadt in der Rheinebene gern zur Jagd in den herbstlichen Wäldern. Sie verpflichteten die Bauern des Dorfes zu Treiberdiensten.

Bis ins 19.Jahrhundert prägte die Arbeit in der Landwirtschaft das Dorf. Als neben der Ludwigshütte weitere Eisenwerke im Lahntal entstanden und Preußen 1866 das Hessische Hinterland, wie man den Kreis Biedenkopf nannte, der neu geschaffenen Provinz Hessen-Nassau zuordnete, setzte mit dem Bau der Eisenbahn 1883 von Marburg nach Kreuztal der industrielle Aufschwung ein. Die meisten Männer fanden in den nahegelegenen Fabriken eine lohnendere Beschäftigung als in der Landwirtschaft.

Die Auslagerung der Maschinenfabrik Bolenz und Schäfer aus Dortmund nach Eckelshausen 1943 wegen der Bombardierungen des Ruhrgebietes schaffte für manchen Landwirt nach dem 2.Weltkrieg einen Arbeitsplatz in Wohnnähe und sicherte das Einkommen der Familien. Das Werk wurde nach 1945 kontinuierlich erweitert und gehört heute zur Roth-Industrie, die ihren Sitz in Dautphetal hat.

Am Ende des 20.Jahrhunderts legten alle bis dahin selbständigen Bauern ihre Betriebe still und gaben die Feldbestellung auf. Man begann, die Scheunen zu Wohn- und Arbeitsräumen umzubauen. Heute betreiben nur noch wenige Einwohner im Nebenerwerb Viehzucht.

Hatte Eckelshausen 1939 noch 517 Einwohner, so wuchs die Zahl nach dem Kriege durch den Zuzug von Evakuierten, Flüchtlingen und Heimatvertriebenen auf knapp 800. Die Zahl ist bis heute konstant geblieben.

Die Gemeinde baute für die Heimatvertriebenen am Katzenbacher Weg ein Wohnhaus, erweiterte 1960 ihr Rathaus zu einem Dorfgemeinschaftshaus mit einem Saal für größere Veranstaltungen, einem Büro für den Ortsvorsteher, einem Aufenthaltsraum für die Jugend und einer Zweigstelle der Volks- und Raiffeisenbank. Die Freiwillige Feuerwehr erhielt ein eigenes Domizil. Dorfgemeinschaftshaus und der nahegelegene Kinderspielplatz wurden zum Mittelpunkt des Dorflebens und zum Treffpunkt der Vereine, die hier eine rege Tätigkeit entfalteten. Vierteljährlich erscheint ihr Mitteilungsblatt, das die originelle Bezeichnung "Ausgerappelt" erhielt. Der Name weist auf die früher übliche Art der öffentlichen Bekanntgabe von Anweisungen des Bürgermeisters hin, als der Ortsdiener mit der Schelle durchs Dorf ging, "rappelte", und an festgelegten Plätzen des Ortes die Mitteilungen vorlas.

Für ein reges Vereinsleben sorgen: Männergesangverein "Germania" 1876, Frauen- und Mädchenchor "Germania", Spiel-Verein 1911 mit der Abteilung "Alte Herren", Freiwillige Feuerwehr, Burschenschaft Fischbach, dazu die Mädchenschaft, Obst- und Gartenbauverein, Verschönerungsverein und der jüngste Spross der Eckelshäuser Vereine: Wanderfreunde. Das Mitteilungsblatt enthält Arbeitsberichte und Hinweise auf geplante Veranstaltungen. So erfährt man u.a., dass Burschen des Dorfes am Tag nach Ostern, der heute noch wie früher 3.Ostertag genannt wird, Eier sammeln, die sie anschließend gemeinsam verspeisen. Anschließend werden die Junganwärter nach einem streng festgelegten Zeremoniell in die Burschenschaft aufgenommen. Weiter enthält es die Termine der Vereine für das Kartoffelbraten an der Schutzhütte im Musbach, bei dem nicht nur Kartoffeln, sondern auch Würstchen und Hacksteaks in frischer Kohle aus Buchenholz gebraten werden, die Termine für Veranstaltungen mit befreundeten Vereinen und vieles mehr.

Über die Grenzen des Kreises Marburg - Biedenkopf ist das Dorf bekannt geworden durch die "Eckelshausener Musiktage", die von Frau Gottfried, der Besitzerin des Schartenhofes, ins Leben gerufen wurden. Sie finden jährlich in der Pfingstzeit mit Unterstützung eines Fördervereins statt.


Karl Mohrherr, im Sommer 2000